Teil 2 „Misa“

Es war die Analogie, die bestechend die Geschichte der irdischen Handelswege nach spielte. Wir waren die Meuterer, das waren die Piraten. Grobschlächtige, in Kometenhagel gestählte Reisende, die uns Jahrtausende voraus waren, schneller manövrierten und wendiger beim Entern waren. Sie traten unsere Türen ein, als wären sie aus Pappe. Sie atmeten irgendwas ein, dass wohl im luftleeren Raum vorhanden war, und waren uns folglich auch da überlegen. Ihre Haut bestand aus einer Art natürlichem Kevlar, und alles, was wir dazu benutzten, sie zu knacken, versagte. Unsere Hirne drohten zu platzen, und die Köpfe wurden uns zu eng, wenn sie sich uns nur näherten. Sie trugen keine Waffen, doch was sie uns an taten, sofern es physischer Natur war, geschah alleine mit ihrer Muskelkraft. Der Rest war eine psychische Aura, die uns in die Knie zwang und zu spuckenden Idioten machte. Wir erbrachen uns auf dem kompletten Weg in den Bauch ihres Schiffes. Sie hatten uns Ketten aus Licht angelegt, trieben uns zusammen, wie wir es mit einer Herde Büffel getan hätten und leiteten uns durch eine grelle Röhre, die aus nichts als Licht bestand, aus unseren Schleusen in ihr Frachtschiff.

Sie sahen alle aus wie Anführer, doch einer trat hervor, machte merklich ruhigere Bewegungen und deutet auf seine Zunge. Er sprach zu uns. In klarem Englisch mit einem sauberen Akzent aus Inner-Boston.

Seine Augen betrachteten uns mit einer Mischung aus Missgunst und Wohlgefallen. Ich war nicht sonderlich gut darin, die Gefühlsregungen von fremden Wesen zu verstehen. Kann sein, dass ich alles falsch interpretiert habe.

„Ihr seht vollkommen orientierungslos aus! Ihr seid vom Weg abgekommen. Ihr wisst nicht mehr wo ihr seid. Ihr gehört nicht hierher und alles ist euch fremd. Ist es nicht so?“

Er sah sich um. Und fuhr fort.

„Es ist so. Ich weiß das. Ich kann in euch hineinschauen. Ihr dürft froh sein, dass wir zu euch gekommen sind. Preist uns. Wir geben euch die Führung, die ihr braucht. Die Ordnung, die euer Innerstes begehrt. Ihr dürft eurer Freude Ausdruck verleihen. Die Zeit, in der ihr nicht wusstet, wo ihr hingehört, ist vorbei.“

Er schwieg für einen Augenblick. Verharrte für einen Moment und wartete die Wirkung seiner Worte ab.

„Ihr gehört uns, ihr verwahrlostes Pack. Uns und niemanden sonst. Ihr seid mein verdammtes Eigentum. Hier ist eure Reise zu ende. Hier geht es nicht mehr weiter. Hier ist euer Ziel. Wir werden euch von euren Seuchen befreien. Wir werden uns so um euch kümmern, wie es nicht mal eure Mütter für euch getan hatten. Wir sind eure verdammten Mütter.“

Er trat einen Schritt zurück.

„Ihr seid ein erbärmlicher, lumpiger Haufen. Macht euch auf einige Modifizierungen gefasst. „

Während er sich abwandte erhob sich ein Stimmengemurmel. Ruckartig schnellte er zurück, drehte sich um und schritt die Mannschaft ab. Er roch an den bärtigen Gesichtern, fühlte den Stoff ihrer Kleidung und beschnüffelte auch diesen.

„Ihr seid, Meuterer, nicht wahr? Ihr seid Autoritäten nicht mehr gewohnt? Ihr meint, ihr habt besseres verdient? Ihr dachtet, ihr seid am Ziel? Machen wir es einfach: ich kann eure Köpfe platzen lassen, wie reife Früchte. Ich werde das tun, sobald ich feststelle, dass einer von euch dazu neigt eine Ernte zu zerstören. Ich gehe selektiv vor. Ich bin gut darin. Ich halte nichts davon eine ganze Ernte weg zu kippen, nur weil sie zum Teil verdorben ist. Ihr habt viele Flüssigkeiten in euch. Glaubt mir, ich kann sie zum Kochen bringen. So wie ich es sage, wird es geschehen, wann immer ich das will.“

Pentat hielt sich einen ganzen Zoo aus Sklaven. Die verschiedensten Reiche und Planeten hatte bereits geplündert. Er liebte dieses Leben. Und das Leben liebte ganz offensichtlich ihn. Er befand sich damit in einer langen Tradition der Sklavenjäger. Ging man seinen fruchtbaren Stammbaum zurück, dann fand man nicht nur eine schier unendliche Zahl an Nachkommen, Kinder und Enkelkinder, die weit verstreut überall lebten, wo Leben überhaupt möglich war, sondern auch eine klare Linie und handwerkliche Kunst im Halten und Züchten von Sklaven. Für Pentat und die Seinen war es eine logische Schlussfolgerung, dass es da draußen Wesen gab, die ihrer Führung bedurften. Dahinter befand sich kein böser Wille, sondern lediglich die Einhaltung einer galaktischen Ordnung. So musste das sein. So war es halt.

Sie selbst gaben sich ausgesprochen schöngeistige Namen und waren bereit ihr Tun und Handeln jederzeit zu glorifizieren. Sie waren Weltenklärer. Ihre Aufgabe war es, die Dinge, die in Unordnung gerieten, in Ordnung zu bringen.

Ihr Schiff war ein organisches und mechanisches Wunder zugleich. Es war, wie das meiste, dem wir begegneten, aus gefestigtem Licht. Scheinbar atmete es auch, es lebte irgendwie. Wir hörten überall ein asmathisches Schnaufen, und konnten es nicht zuordnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.