Kapitel vierunddreißig „Ach, Bankea“

Außerhalb des Kampfgetümmels bleibt die Welt wie immer!

Außerhalb des Kampfgetümmels bleibt die Welt wie immer. So friedlich und absurd, so unbeeindruckt, wie sie eben nur sein konnte. Ich wollte Paulana nicht loslassen, aber er setzte mich im Garten auf einem Holzquader ab und war drauf und dran, wieder rein zu gehen. Was immer er auch von Sonya oder John wollte.

Ich hatte noch nicht einmal ausprobiert, ob meine Stimmbändern nicht funktionieren. Dass mein Gehör versagte, ließ darauf schließen, dass ich auch nicht sprechen konnte. Aber war dem wirklich so?

Karl durchkreuzte den Garten mit wildem Schritt. Er schien sich keine Sorge über verbleibende Trooper zu machen. Sah so die Taktik der Burschen aus? Gingen sie so vor? Sturmangriff. Rein. Und dann weg? Weit weg?

Als ob mir Wachs in die Ohren geträufelt worden wäre. Ich nahm keine Schritte war, keine Papageien, keine knickenden Blätter. Nichts. Nur ganz dumpf klangen vereinzelt Geräusche auf mich ein, die weit weg und nicht zu orten waren.

Karl öffnete die Küchentüre des Hauses, das wir vorhin verlassen hatten und trat vorsichtig ein. Ich sah, wie er, fast schon tastend, langsam hinein ging und dabei versuchte möglichst wenige Dinge zu berühren oder zu bewegen. Im Innern befand sich ein Holzboden. Oder ein gut gemachtes Imitat mit ähnlichen Eigenschaften. Jeder seiner Schritte würde knarren, vermutete ich. Nicht gut.

Ich stützte mich auf den Quader mit einer Hand. Hievte mich wieder in eine stehende Position. Eine scheinheilige Sache, dieses Gleichgewicht, dachte ich noch, während ich es mit zusammengebissenen Zähnen suchte. Das ging gerade eben noch besser, aber veränderte sich nun schlagartig.

Alles, was ich aus der Medizin wusste, ratterte mir durch den Kopf. Und nichts davon klang irgendwie gut. Schlaganfall. Schock. Es gibt eine Art Hörsturz, die im Ohr das Gleichgewichtsorgan in Mitleidenschaft zieht. Danach verwandelt sich die ganze Welt in ein Schiff und man darf kontinuierlich kotzen. Verschwindet wieder. Reißt aber den Boden unter den Füßen weg. Ich beließ die Hand auf dem Quader und fluchte tonlos. Die Augen suchen in solchen Momenten den festen Punkt, aber kämpfen ziemlich erfolglos mit ihm. Ich konzentrierte mich auf den Quader, schaute ein bisschen höher, dann weiter und war wieder im Garten. Nichts schien mehr echt. Alles wie ein Spiel. Also zog ich auch wieder die Waffe. Und hielt sie auf die Küchenfenster gerichtet.

Und das war der Weg. Hin zu den Küchenfenstern. Ich musste Karls Augen erweitern, dort sein, wo er nicht hinsehen konnte.

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