Friedhof Ohlsdorf

Der Friedhof von Ohlsdorf bezeichnet sich selbst als einzigartig, und wenn man ihn betritt – in meinem Fall eher befährt – dann beginnt man innerhalb kurzer Zeit zu verstehen, warum diese Bezeichnung gerechtfertigt ist.

Es handelt sich um eine außergewöhnliche Parkanlage, die 13 Kapellen (soviele habe ich gezählt) beherbergt, von einer Buslinie durchkreuzt wird und deren Wege von mehreren Straßen unterbrochen werden. Sie beherbergt kleine Seen, Flussläufe, anonyme Gräber, aber auch Grabstellen ganz unterschiedlicher Epochen, Stile und Herkünfte. Viele Prominetengräber finden sich hier, die ich im einzelnen nicht aufzählen will, aber kostenlose Informationen, die sich in an verschieden Stelle finden, informieren darüber.

Ich muss zugeben, ich wäre auf diesen Friedhof nicht aufmerksam geworden, und verdanke diesen Tipp einer guten Freundin, die mich darauf aufmerksam machte. Ich besichtige gerne Friedhöfe, und es gibt manche, die mir Respekt einflössen, manche die mich irritieren, und manche auf denen ich eher beklommen unterwegs bin. Der Friedhof in Ohlsdorf hat eine beruhigende Kraft, und ist nicht zu erfassen in ein bis zwei Stunden. Er bietet Ruhepunkte, versteckte Ecken, wenig gepflegte Familienstätten und hat im umtriebigen Hamburg einen Erholungswert. Stellenweise nimmt man ihn weniger als Friedhof den als Park war, und ich denke, das war von den Erbauern auch so gedacht.

Mit 388 Hektar Grundfläche lädt der Friedhof zum Verlaufen und verweilen ein. Ich hätte Stunden dort zubringen können, und wäre ich nicht mit dem Rad unterwegs gewesen, ich hätte sie auch benötigt. Es ist erstaunlich wie viele Rennradfahrer dort anzutreffen waren.

Friedhöfe wurden auch andernorts gleichermaßen als Park wie als Grabstelle erbaut, und man sieht dem Gelände seine gartenplanerische Arbeit und Idee an. Der Baumbestand ist urwüchsig und alt, verschiedenartig und in mannigfaltigen Alleen angelegt. Der Friedhof wirkt an allen Stellen weiträumig und beeindruckend angelegt. Alleine das Denkmal für die Bombenopfer, die in Hamburg während dem zweiten Weltkrieg fielen, ist von einer weitläufigen, und dennoch bescheidenen Intensität, die die Anonymität durch Blöcke, die die Namen der Stadtteile tragen, die betroffen waren,  hervorhebt.

Friedhöfe hatten auf mich nie morbide gewirkt, noch zeichne ich mich durch eine besondere Religiosität aus. Ich habe großes Verständnis für anonyme Bestattungen und finde jüdische Friedhöfe in ihrer Konsequenz faszinierend. So habe ich immer wieder den Eindruck, dass Friedhöfe sehr viel von dem Leben widerspiegeln, dass im privaten und persönlichen nicht so offenbar wird. Friedhöfe sind Zeitzeugen und Orte der Ruhe. Daher besuche ich sie fast lieber als Kirchen, wenn ich die intimen Seiten einer Stadt kennenlernen will. Prag z.b. hat einen Friedhof, der von einer geruhsamen Wildheit überwuchert wird. Dort habe ich auch zum erstenmal eine Polizeistation auf einem Friedhof gesehen.

Der Ohlsdorfer Friedhof ist dagegen ein Ort der Beschaulichkeit, Meditation und Zurückhaltung. Trotz seiner Größe.

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