Einmal von Heidelberg nach Stuttgart und zwei Tage später wieder zurück – Der Neckartalweg

Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück
Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück
Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück (Foto: Andreas Allgeyer – https://notsourban.com)

Mit zu den schönsten, ausgiebigsten Radtouren der Region um Heidelberg gehört der Neckartalweg. Es gibt immer wieder Unstimmigkeiten, welcher Abschnitt der schönste ist, was man gesehen haben sollte, und was man niemals verpassen darf.

Daher ein paar kurze Anhaltspunkte. Ich habe diese Tour an Fronleichnam, den 11.06.2020 von Heidelberg nach Stuttgart gemacht. Zwei Tage später fuhr ich denselben Weg wieder zurück.

Auf der Strecke nach Stuttgart fuhr ich 170 km in 9,5 Stunden, auf dem Rückweg 180 km in 9 Stunden. Berechnet ist hier die reine Fahrtzeit. Es empfiehlt sich jedoch mindestens eine oder zwei Stunden dazu zu rechnen, die für Pausen genutzt werden.

Gefahren bin ich die Strecke mit einem Singlespeed-Rad (auch Eingangrad) mit Rennradbereifung, allerdings mit ausgeprägtem Profil (Marathon von Schwalbe). Das Profil ist dringend notwendig, da es bei zwei Abschnitten zu einer kilometerlangen Fahrt auf unbefestigten Waldwegen kommt. Die sich, meines Wissens (ich suche noch eine Lösung) nicht vermeiden lassen. Ebenso ist eine empfehlenswerte Alternativroute bei Hessigheim unbefestigt, aber trotzdem weniger anstrengend.

(Hessigheim ist bekannt für seine Felsengärten und eine durchaus interessante Gemeinde, die zur Überbrückung einer Neckarschleife in ihrer Höhe durchfahren wird. Man kann allerdings auch auf der Seite von Hessigheim unten am Neckar entlang, muss allerdings den unbefestigten Wirtschaftsweg in Kauf nehmen. Ist jedoch für Menschen, die auf die Gangschaltung verzichten, um einiges angenehmer).

Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück
Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück (Foto: Andreas Allgeyer – https://notsourban.com)

Alle meine Touren finden sich unter dem Nutzernamen „Jazznrhythm“ auch auf Komoot und können dort nachgefahren werden. Sie starten zumeist in Dossenheim, aber es kann jederzeit auch in Heidelberg eingestiegen werden. Meine Touren sollten nicht strikt verfolgt werden, da ich oft versuche neue Wege zu testen. Wenn ich zu sehr von dem regulären Fahrradweg abweiche, sollte man überprüfen, ob ich nicht einen Fehler gemacht habe und eventuell wieder zurückgefahren bin. Das kommt vor.

Wer von Mannheim starten will, kann einen gut ausgeschilderten Weg über Ladenburg nach Heidelberg nehmen, das macht einen Unterschied von ca. 25 km, und Ladenburg lohnt sich im Juni, wenn die Rosen in den Gassen blühen auf jeden Fall. Dieses jedoch nur als Tipp.

Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück
Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück (Foto: Andreas Allgeyer – https://notsourban.com)

Da die Fahrtzeit durchaus, mit Pausen, die 10 Stunden übersteigen kann, lohnt es sich sehr früh zu starten. Ich beginne die Tour meistens kurz nach Sonnenaufgang. Wer von Heidelberg kommt, wird den Umstand zu schätzen wissen, dass es an einem Sonn- oder Feiertag wenig Verkehr auf der Bundestraße hat. Der Neckartalweg führt fast direkt an der Straße entlang, stellenweise auch auf der Straße. Bis ca. 30 km von Heidelberg weg, ungefähr in Höhe Hirschhorn, teilt man sich mit Autos den Weg. Morgens um 6:00 ist das durchaus eine ruhige Strecke, auf dem Rückweg jedoch, wenn es die letzte Etappe ist, habe ich jedes Verständnis dafür, wenn der Zug für das letzte Stück gewählt wird.

Dieser Abschnitt, trotz des Verkehrs gehört durch die vier Burgen in Neckarsteinach zu einem der reizvollsten Abschnitte. Auf der einen, wie auf der anderen Seite des Neckars finden sich immer wieder Burgen, die auf den Anhöhen das Charakteristikum des Fahrradweges ausmachen. Die Burgen alleine sind es wert in mehreren Abschnitten vorzugehen.

Ich fahre mit einer 16/46 Übersetzung ein Fuji Feather. Jede Burg, die ich besichtigen wollte, müßte ich mit dem Fahrrad erklimmen. Schieben ist dann angesagt, denn es ist nicht zu empfehlen, Steigungen über eine längere Zeit mit dieser Übersetzung anzufahren (noch dazu mit einem Rucksack Utensilien).

Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück
Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück (Foto: Andreas Allgeyer – https://notsourban.com)

An einem regnerischen Tag wie Fronleichnam trifft man lange Zeit niemanden. Obwohl diese Route sehr beliebt bei Pedelecs und Radwanderern ist, kann man sie fast bis 10:00 vollkommen alleine befahren. Erst dann nimmt der Verkehr zu. Die wenigsten werden an einem Tag die ganze Strecke machen. Beliebt ist Heilbronn bzw. Bad Wimpfen als Rastpunkt zwischen Heidelberg und Stuttgart.

Bad Wimpfen stellt fast die Mitte dar und bietet sich mit seiner Altstadt als Rast und Übernachtungsstätte an. Wer bis dahin gekommen ist, hat – egal aus welcher Richtung – schon 90 km hinter sich, und damit auf jeden Fall ein Tagespensum geschafft.

Der Neckartalweg wechselt immer mal wieder die Seite des Flusses, so daß kleine Brücken überfahren werden, die Seitenarme zeigen, und auch einen urwüchsigeren Neckar präsentieren. Die Landschaft verändert sich zusehends in Richtung Stuttgart. In den ersten 100 Kilometer sieht man Wälder, Weideflächen und Burgen. Je näher man Stuttgart kommt, zeigen sich steile Weinhänge, die zum Fluss abfallen und die Fahrmöglichkeiten beengen.

Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück
Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück (Foto: Andreas Allgeyer – https://notsourban.com)

Die Hinfahrt war konsequent über Stunden von Regen begleitet. Ab dem Moment, in dem man Baden Württemberg zum ersten mal verlässt und das Bergrüßungsschlid von der hessischen Seite sieht, ändert sich der Weg und führt zum ersten Mal durch den Wald. Für Mountainbiker nicht unangenehm, für reine Rennräder nicht mehr empfehlenswert. Bei Regen fliegt der Dreck über den Helm.

Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück
Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück (Foto: Andreas Allgeyer – https://notsourban.com)

Die Wolkenbildungen über dem Neckar, der Dunst und der Nebel können dann dramatisch sein und sich weit durch den Odenwald ziehen. Die Feuchtigkeit steht dann quasi im Tal und lässt nicht locker.

Vier Stunden war der Regen beständig dabei, viel kerzengerade herab, durchnässte den Rucksack, die Kleidung und alles wurde von einer fetten Schlammschicht überzogen.

Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück
Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück (Foto: Andreas Allgeyer – https://notsourban.com)

Trotzdem, ich hätte es nicht missen wollen. Die Sicht war dramatisch, die Fahrt – bis auf die Nässe und den Schmutz – angenehm, denn ich kam gut voran. Die Bilder, die ich dabei machen konnte, wirken wie aus einer anderen Welt.

Der Unterschied zu der Sicht, die ich zwei Tage später hatte, ist faszinierend. Auf dem Rückweg zeigt sich das Tal sonnen beschienen, nur ein grausiger Gegenwind zog von Heidelberg herauf.

Ein Hinweis am Rande: Die Hinfahrt nach Stuttgart geht immer aufwärts. Gegen die Fließrichtung des Flusses. Dieser überwindet eine große Höhe und erstaunliche Anzahl Schleusen bis er in Mannheim in den Rhein mündet.

Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück
Neckartalradweg von Heidelberg nach Stuttgart und zurück (Foto: Andreas Allgeyer – https://notsourban.com)

Dementsprechend ist es sehr viel beliebter, aber auch empfehlenswerter von Stuttgart nach Heidelberg zu fahren. Normalerweise hat man nicht nur eine fortlaufende Abfahrt, sondern oft auch noch von Stuttgart aus Rückenwind. In der Bildergalerie findet sich noch Fotos von der sonnenbeschienen Rückfahrt.

Kleiner Tipp, weswegen ich auch sehr früh los fuhr: Die Jugendherberge in Stuttgart (die Internationale in der Hausmannsstraße) bietet einen sensationellen Blick über Stuttgart. Unbedingt empfehlenswert, aber man sollte bis 18 Uhr vor Ort sein, und unbedingt vorher reserviert haben. Wer die Tour an einem Tag macht, sollte das mit einberechnen. Selbst bei einem Start kurz nach Sonnenaufgang wird es mit Pausen unter Umständen sehr knapp.

Noch einige Bilder von der Tour hin und zurück in der Galerie. Bei Fragen schreibt mich einfach an.

Sei der Erste, der diesen Beitrag teilt:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.