Bluegrass Jamboree im Tollhaus Karlsruhe

Bluegrass Jamboree in Karlsruhe
Bluegrass Jamboree in Karlsruhe

 

Es wäre einfach zu sagen, dass Bluegrass ein Stiefkind der Countrymusic ist. Mittlerweile aber rückt diese Musikrichtung wieder ein bißchen mehr in den Fokus.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich vor vielen Jahren ausgerechnet in Nashville in CD-Shops nach Bluegrass suchte, und überrascht war, wie wenig sich tatsächlich vor Ort fand. Meistens war es nur eine kleine Spalte in einem großen Country-Umfeld. Es unterschied sich nicht sehr von der hiesigen Beachtung.

Chicken Wire Empire

Chicken Wire Empire auf dem Bluegrass Jamboree im Tollhaus Karlsruhe 2019

Bluegrass ist im Gegensatz zum weiten Bereich, den Country abdeckt, sehr viel mehr in der europäischen Folkmusik beheimatet. Obwohl sich durch die multikulturellen Einflüsse sicherlich auch Spuren der afrikanischen Musik und dem Blues darin finden.

Verwurzelt ist sie in der irischen Volksmusik. Von dort bringt der Bluegrass auch diesen beschwingten, energischen Rhythmus mit sich, wie er in den Appalachen schon viele Generationen gepflegt wird. Eigentlich eine originäre Tanzmusik, die dereinst in Scheunen und auf dörflichen Festen gespielt wurde, findet sie sich heute in einem fröhlichen Crossover mit anderen Musikrichtungen. Auch wenn es scheinbar unüberwindbare Hürden zum Jazz und ähnlichen Stilen gibt, hat Bela Fleck, einer der aktuellen Banjo-Großmeister, in den letzten Jahren schon bewiesen, wie leicht sich solche Grenzen überwinden lassen. Dass Bluegrass mehr und mehr hierzulande Fuß gewinnt, ist sicherlich auch der regelmäßigen Tournee des Bluegrass Jamboree zu verdanken. Und dieses Jahr gastierten die Truppe zum ersten Mal im Karlsruher Tollhaus auf dem ehemaligen Schlachthofgelände.

Chicken Wire Empire

Chicken Wire Empire auf dem Bluegrass Jamboree in Karlsruhe

Das Bluegrass Jamboree ist ein kleines Festival der Musikrichtung und wird dabei von versierten Künstlern und fantastischen Musikern unterstützt. Unter der Leitung und Moderation von Rainer Zellner traten bei der diesjährigen Tournee drei Gruppen auf. Alle drei zeigten eine aktuelle Richtung dieses Stils und offenbaren damit eine erstaunliche Bandbreite der sogenannten Americana-Bewegung.

Americana ist eine Sparte der amerikanischen Kultur die sich wieder der Wurzeln und Vielfältigkeit ihrer Volksmusik erinnert. Sie ist damit näher am Ursprung, aber kommt aber auch wieder auf jene Menschen zu, die sie weiterhin pflegen und erweitern. Dabei steht nicht so sehr die Kommerzialisierung, sondern zum großen Teil die Spielfreude, Erweiterung und Improvisation im Vordergrund. Ein guter Teil des Jamborees ist daher die Kunst des Miteinander- und Füreinander Spielens.

Den gerade darin zeigen sich die großen Fähigkeiten dieser Musiker und ihre Leidenschaft. Die Auswahl der Gruppen trifft dabei Rainer Zellner, der mit Humor und Versiertheit durch das Programm führt.

Mit dabei sind in diesem Jahr Hoot and Holler, ein Duo aus Kalifornien und New Jersey, die mit Gitarre, Geige und selbstgebauten Banjo das Jamboree eröffneten. Dabei präsentierten sie neben einem meisterhaften Songwriting, klassische Folkstrukturen und ein gutes Händchen für eingängige Melodien und einer cleveren Auswahl an Klassikern. Ausgebildet im Bostoner Berkelee College of Music, trugen sie die Lässigkeit und kraftvollen Forderungen der Straße auf die Bühne.

Hoot and Holler

Hoot and Holler auf dem Bluegrass Jamboree in Karlsruhe Tollhaus

Erstaunlich waren auch die Price Sisters, die als Zwillinge mit beeindruckenden Stimmen einer ausgesucht guten Band vorstellten. Traditionell mit Banjo, Madonline, Bass, Gitarre und Geige ausgestatteten waren sie in einem klassischen Feld beheimatete, dass sie mit Verve und Spielfreude beackerten. Gute Sachen, perfekte Arrangements und einen großartigen Banjo-Spieler zeichneten ihren Auftritt aus. Lincoln Hensley spielt so akkurat und mit einer Finesse auf seinem Saiteninstrument, dass man sicherlich noch viel von ihm hören wird.

The Price Sisters (Bluegrass Jamboree Karlsruhe 2019)

The Price Sisters auf dem Bluegrass Jamboree in Karlsruhe

Chicken Wire Empire sind furios und abwechslungsreich. Sie rundeten den Abend mit einer Begeisterung für Improvisationen, Variantenreichtum und diversen Solos erfolgreich ab und zeigten auch, wie modern der Sound im Bluegrassfeld immer noch ist. Sie nähern sich dem Stil mit großer Lust und Leidenschaft . Mit Dreadlocks und einem ausgesprochen lässigen Umgang entsprechen sie so gar nicht dem Bild, dass man mit dem Bluegrass verbinden mag. Aber genau das macht den Reiz aus.

Nennen mag man das Jamgrass . Und Parallelen zum Rock, dem Jazz und allem was sich dazwischen bewegten, sehen. Sie lassen sich ein, reagieren, haben dabei keine Angst vor dem Crossover und zeigten auch zum Finale, als alle Musiker nochmal auf die Bühne kamen, wie aufregend und wild sich das gestalten lässt.

Das Bluegrass Jamboree ist ein Juwel unter den Package-Tourneen und bringt mit seiner Auswahl großartige Künstler zusammen. Unbedingt hingehen, wenn sie bei euch in der Gegend sind.

 

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