Bloggen in den Zeiten der Krise

bloggen in den zeiten der krise - ein kommentar von Andreas Allgeyer auf https://notsourban.com

Es ist an der Zeit einige Dinge über Blogs zu schreiben. Und warum COVID-19 in diesem Blog nicht mehr an der ersten Stelle stehen wird. Artikel, die sich mit COVID-19 befassen, werden nun in den Hintergrund rücken. 

Das hat verschiedene Gründe. Ich werde im Einzelnen auf diese Gründe eingehen, doch möchte vorher noch ein paar Aussagen über Blogs machen. Der Name Blog leitet sich in seinem Ursprung von dem Wort Logbuch ab. Ein Logbuch ist im üblichen Verständnis eine Art fortlaufendes Protokoll. Im Internet etabliert sich die Form eines Web-Logbuchs, dass sich auf den Namen Blog reduzierte. Es hatte damit erstmal nichts mit dem deutschen Wort Block (von Notizblock) zu tun, obwohl es dabei durchaus Ähnlichkeiten in der Funktion gibt. 

Ein Weblogbuch konnte unterschiedliche Aufgaben haben. Wie ein Tagebuch sammelte es Ereignisse. Manchmal thematisch gebunden, manchmal querbeet. In der ursprünglichen Form war es ein Teil der Vernetzung und auch eine Ergänzung der Suchmaschinen. Es wurden in Blogs Inhalte verlinkt, weitergereicht, rezensiert.  Sehr schnell gab es emotionale, kritische, politische und künstlerische Blogs. Die Themen schienen unbegrenzt. Durch eine thematische Festlegung bekamen manche Blogs eine Relevanz, die ihre Arbeit und Infosammlung zu einer journalistischen Dimension anwachsen liess. Blogger sind in den letzten Jahren eine wichtige Stimme geworden. Und können dem Vergleich mit der Presse standhalten. Manchmal gibt es hier Querverbindungen, manchmal Kooperationen.  Im Gegensatz zu den frühen Anfangszeiten sind Blogs heute nicht mehr das Projekt einzelner. Hin und wieder stehen ganze Teams dahinter. 

Das ist natürlich alles bekannt, und ich erzähle nichts neues damit, aber ich brauche diesen Kontext, um zu erklären, wie ich die Arbeit an meinem Blog definiere. 

In der Frühphase des Internets waren viele Inhalte noch nicht vorhanden. Es galt die Regel, dass, wenn man etwas sucht, und es nicht im Internet findet, man es dem Internet geben sollte. Damit es die nächsten finden. Wikipedia ist ein Projekt, das quasi dieser Idee folgt. 

Blogs, die also eine Publikationsform darstellen, die auf Vernetzung aufbaut, können manchmal flexibler und schneller reagieren, als es Verlage tun. Das macht Blogs genauso nützlich wie gefährlich. Sie können Nachrichten filtern, platzieren, nach oben spülen oder weiterverbreiten. Wie eine Gerüchteküche, wie der Flurfunk, wie eine offene Bühne. In Zeiten der Krise können sie Desinformation fördern oder ihr entgegen wirken. Sie können damit eine Lücke füllen, wenn es schwer ist, an Informationen zu kommen. 

Als die Coronakrise begann unser Leben zu ändern, und es zu Einschränkungen kam, die wir entweder selbst vornahmen oder aufgrund schneller Lageänderungen vornehmen mussten, war es notwendig, die größtmögliche Transparenz zu schaffen.  Die Informationen waren ja alle da. Sie waren lediglich wild verteilt. Ebenso war und ist spürbar, dass nicht alle Betroffenen in der Lage sind, diese Informationen zu finden, noch sie zu bewerten. Das mag an dem fehlenden Umgang mit diesen Informationen liegen. Oder es liegt einfach daran, dass sie an ungewohnten Plätzen liegen. In solchen Zeiten können Blogs als Wegweiser dienen. Sie können sich in Positionen vorarbeiten, in denen sie helfen können. Das können aber auch genauso Twitter, Facebook-Gruppen, WhatsApp, Telegramgruppen oder ähnliche Social Media-Kanäle. 

Mir war es wichtig, Informationen, die ich fand, anderen Menschen zur Verfügung zu stellen. Zu achten hatte ich dabei auf folgendes: Die Information musste eine Quelle haben, der ich vertraue. Sie musste einen offiziellen Charakter haben und damit eine Verifikation. Sie musste glaubwürdig sein.

Nun kann man über die Glaubwürdigkeit von Information durchaus streiten, aber das Internet bietet verschiedene Möglichkeiten die Herkunft einer Information zu überprüfen. Die Weiterverbreitung einer Information, deren Quelle mir nicht vertrauenswürdig erscheint, betrachte ich – wenn ich es so handhaben würde – als persönlichen Fehler. Und als den besten Weg in die eigene Unglaubwürdigkeit. 

Ich wollte also mit zwei Artikeln, die ich in den ersten Tagen der Krise fortlaufend weiterführte, regionale und überregionale Angebote, Hilfsleistungen, Tipps und weiterführende Links bündeln. Der Nutzen und die Qualität schwankten dabei, aber manifestierten sich zusehends, als auch andere Medien (die Lokalpresse etc.) ähnlich vor gingen. In dem Moment, als sich zeigte, das lokale und überregionale Medien ähnliche Angebote hatten, war es für mich ein leichtes, mich aus dem Thema zurück zu ziehen. Den genau das sollten Blogs nach meiner Meinung sein. Eine Ergänzung. Kein Ersatz. 

In Konkurrenz mit Medien zu treten, die mit der Verbreitung von Information ihr Geld verdienen, macht keinen Sinn. Im Gegenteil, es freute mich, als ich sah, wie immer mehr Ticker, Update-Seiten, Hilfsorganisationen und staatliche Leistungen die Lücken, die entstanden waren, füllten. Die Rädchen griffen ineinander. Zeit also, mich wieder meinen eigenen Sachen und dem ursprünglichen Blog zu widmen. 

Es brachte mich aber auch dazu, mein Blog zu überdenken und die Zielsetzung zu justieren. Ich hatte eine Artikelserie über Acid-Jazz geplant, die mich wahrscheinlich das ganze Jahr 2020 in Anspruch genommen hätte und bestimmt sehr interessant gewesen wäre. Aber ich nehme sie jetzt raus. Ganz ehrlich: Die Idee ist gut, und ich hänge auch an dem Thema, aber in einem Jahr, in dem voraussichtlich kaum oder keine Konzerte stattfinden, die Festivals ausfallen, man nicht in Kneipen abhängen kann, wie soll ich da über eine Kultur schreiben, die mit Tanz, Drogen, Live-Improvisationen und ähnlichem zu tun hat? Ich komme nicht mal ansatzweise dahin, ohne ständig ein paar Tränen weg zu drücken.

Ich hatte dieses Blog gegründet, weil ich über Reisen schreiben wollte. Übers Radfahren. Über Erlebnisse, die dabei geschehen. Und dabei ging es zum großen Teil um Mini-Abenteuer, gar nicht mal um die großen Dinge. Ich komme dahin wieder zurück. Radfahren. Mini-Abenteuer. Das Beste aus diesem Jahr machen. Darüber wird sich hier jetzt einiges finden.

Über Covid-19 könnt ihr euch in Zukunft überall informieren. Und bitte macht das richtig. Lest offizielle Nachrichten, nicht das Geschwurbel, dass euch in Facebook und Twitter an den Kopf geworfen wird. Macht euch die Mühe und eignet euch Wissen an. Auch wenn es schwer ist. Auch wenn es hin und wieder belastend ist. Hier geht es fortan wieder um Bilder, zwei Räder, draußen sein und bald wieder um Leute treffen. Back to the roots. Dafür war die Zeit immerhin gut.

 

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One Reply to “Bloggen in den Zeiten der Krise”

  1. Danke für die klärenden Worte. Ein Corona-Text steht bei mir noch aus, dann lass ich das auch gut sein. Back to the roots – das ist gut – und ich freue mich über die Acid-Jazz Artikel wenn sie dann mal im Jahr 2021 kommen.

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