Analoge Bilder: INSTAX

Schwetzinge

Es gibt Menschen, die eine Vinyl-Platte jeder CD oder jedem MP3-Stück vorziehen. Unterhält man sich mit Ihnen, dann wird von einem volleren Ton, einer Fragilität und Vergänglichkeit gesprochen. Es verbirgt sich eine Schönheit im Unikat, der Wertschätzung und der Nostalgie, die sich mit Vinyl verbindet. Mag das auch einfach ausgedrückt sein, so spielt bei analogen Aufnahmen immer mit hinein, dass es mal eine Zeit gab, in der die Dinge einfacher schienen, weil sie mechanisch waren, aber auch verletzlich.

Das gilt auch für die analoge Fotografie. Ein Bild mit einer analogen Kamera hat bis zu seinem Erscheinen auf Papier oder Dia oft schon Erinnerungswert. Obwohl unbekannt ist, wie die Qualität tatsächlich ist, werden schon Hoffnungen daran geknüpft. Die Tatsache, dass zwischen der Aufnahme und Sichtung eine Zeit liegt, die man selten wirklich beeinflussen kann, lässt den Moment , in dem die Aufnahme gemacht wurde, unwiederbringlich und einmalig erscheinen.

Es war immer der Traum der Menschen ein sogenanntes „schnelles“ Bild zu machen, dass man sofort nach der Belichtung betrachten konnte. Das Sofortbild, oft einfach Polaroid nach der führenden Firma genannt, war eine Verwirklichung. Es barg soviel neues in sich. Es war erschwinglich, aber dennoch teurer, und es musste nicht durch ein Fotolabor. Es hatte etwas billiges an sich, und gleichzeitig etwas wertvolles. Das Billige war, dass es plötzlich möglich schien sehr private Aufnahmen zu machen, die niemand in einem Entwicklerbad sehen musste. Das teure war der Preis, der ungleich höher war. Ja, im Laufe der Zeit sanken die Preise der Fotolabore in einem ständigen Konkurrenzkampf, aber dagegen wurde das Sofortbild immer teurer. Je automatischer die Fotolabore arbeiteten, je schneller sie die Bilder zu den Fotografinnen zurücksandten, um so mehr konnte man auf das Sofortbild verzichten. Das Sofortbild war nie Bestandteil einer ernstzunehmenden Kameratechnik. Es musste immer einfach, schnell und privat bleiben.

So blieb die Sofortbildkamera immer ein Nischenprodukt, das gerne in der Werbung gezeigt wurde, und für einen hippen, unbeschwerten Lebensstil stand, aber in der Geschichte der Fotografie war es eine Fußnote, die nie wirklich ernsthaft einen überragenden Platz bekam, obwohl es sehr gute Künstlerinnen gab, die exzellente und geniale Werke damit schufen.

Mein Weg zur Instax-Kamera, die das Erbe der Sofortbildkameras angetreten hat, war der immer wiederkehrende Wunsch, dass Fotografie nicht gebunden sein darf an teuren Marken, übertechnisierten Kameras und endlosen Diskussionen über die richtige Belichtung. Für mich war Fotografie immer das Auge, nicht die Technik. Ein Auge muss etwas sehen, eine Kamera muss dem Auge helfen, dass gesehene auf ein Medium zu bannen. Die Instax-Technologie ist – gemessen an den Preisen, die wir heute im Digitalen gewohnt sind – verschwenderisch teuer und im Ergebnis eine Mischung aus Glücksgriff und purem Handwerk. Der Ausschuss ist hoch., aber wenn ein Film (zehn Bilder ca. 7 Euro) ein einziges Foto enthält, dass gelungen ist, dann bekommt es eine Einzigartigkeit, die mit Freude erfüllt.

Ich hatte dieses Jahr wenig Zeit mit der Instax Bilder zu machen, obwohl der Kühlschrank mit Filmen geradezu übervoll ist.Aber es ist der richtige Zeitpunkt darüber nachzudenken, wann ich sie wieder einsetze. Wer mit einer Instax-Kamera fotografiert, sollte auf den Blitz verzichten, denn er ist meist zu stark, und gutes Wetter nutzen. Die Instaxkamera, egal welcher Typ, ist eine Schönwetterkamera.

Auf den meisten Filmen und digitalen Bildern erscheinen blaue Himmel, wenige Wolken und strahlender Sonnenschein undramatisch und flach. Die Kontraste kommen erst durch den Schatten, der bricht aber manchmal derbe rein und der Morgen, der Abend oder überhaupt die Schlechtwetterwolken haben viel geheimnisvollere und kräftigere Perspektiven.

Die Instaxkamera ist eine Freundin der Urlaubsfotos und man sollte sie genau dafür nutzen. Nicht für die Dämmerung, nicht für den Schatten, nicht für Streetphotographie, nicht für beabsichtigte Kunstwerke, sondern für den Spaß, die Freude am Leben und das knallige Motiv. Dann lernt man sie zu lieben. Und bleibt bei ihr.

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