Alles was ich bis jetzt über Podcasts weiß (und vorher nicht mal geahnt habe)… (Teil 1)

In diesem ersten Teil erkläre ich, was ich eigentlich mache, wie ich meine Gespräche auswähle, vorbereite und in Kontakt trete. Da ich es mir einfach gemacht habe, und mich erst hinterher darum kümmerte, wie alles funktioniert, versuche ich immer mal wieder einen Einblick in den Hintergrund zu gewähren. Man mag mir verzeihen, wenn ich mich wiederhole, aber sollte ich etwas vergessen, dann lasst mir eine Nachricht zukommen.

Ich begann im Herbst 2018 damit Podcasts zu produzieren. Und sogleich online zu stellen. Ich hatte keine Ahnung, keinen Plan, nicht mal eine richtige Idee und auch keinen blassen Schimmer vom zukünftigen Inhalt.

Ich schmiss einen Stein ins Wasser, und hoffte darauf nachhaltige Wellen zu erzeugen. Das war alles.

Ich war nicht in Podcast-Foren, ich habe keine Anleitungen gelesen, Bücher habe ich mir erst hinterher geschnappt und die Gruppen auf Facebook, die sich damit beschäftigen, haben andere Schwerpunkte.

Alle paar Monate versuche ich nun einige Gedanken zum Podcasting aufgrund der Fragen, die mir gestellt werden, zu bündeln und in Artikel zu fassen, um anderen die Angst vor dem Einstieg zu nehmen und ihnen die Möglichkeiten zu zeigen, die sie haben.

Was ich mache…

Ich mache fast ausschließlich Interviews. Jede Woche, in der Regel Mittwochsmorgens um 6:00 Uhr, lade ich ein Interview hoch, gebe es per RSS bekannt, informiere die sozialen Medien darüber (Facebook, Twitter, Intstagram, Pinterest, Tumblr..) und gleichzeitig findet es sich sogleich in Spotify, iTunes, Google Podcast, Radio FM.

Die Gespräche führe ich mit Menschen, die mir aus verschiedenen Gründen auffallen oder einfallen. Ich sehe vielleicht etwas in meiner Umgebung, und frage mich, woher die Motivation, das Engagement kommt, werde neugierig und versuche einen Kontakt über die offiziellen Kontaktadressen her zustellen. Oder ich treffe jemanden in meinem Bekanntenkreis, erfahre von einer Geschichte und werde so neugierig, dass ich darüber sprechen möchte. Mich interessiert dabei nicht unbedingt der Erfolg einer Idee, eines Projektes oder einer Sache, oft kann es einfach nur der Mut und der Wille sein, der mich fasziniert. Es kommt aber auch vor, dass ich die Geschichte eines Scheiterns viel wichtiger finde, als jene des Erfolges.

So können es KünstlerInnen sein, aber auch VertreterInnen von NGOs, Hilfsgruppen oder einfach eine gute Idee, seltene Berufe und vieles mehr. Antrieb ist immer meine Neugierde.

Meine Zielsetzung ist selten eine kontroverse Diskussion, obwohl das auch reizvoll sein kann. Im Normalfall lausche ich eher den Erklärungen, versuche zu zuhören und etwas zu erfahren. Themen, die oft sehr kritisch betrachtet werden , aber mir am Herzen liegen, möchte ich offener und positiver darstellen, als sie in der Regel gesehen werden. Ich möchte manchmal das Problem, dass einer oder eine damit hat, etwas in den Hintergrund stellen, um die guten Aspekte in den Vordergrund zu rücken und dem Anliegen eine Chance zu geben, gehört zu werden.

Ich baue sehr darauf, dass die Mischung, die sehr krude und wild erscheint, dazu beiträgt, meine HörerInnen auf etwas zu bringen, was sie vielleicht links liegen gelassen hätten. Ich hoffe hin und wieder auf einen Effekt, der dazu beiträgt unbekanntere Projekte durch prominente Beiträge zu einer Popularität zu verhelfen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Podcasts gibt es für mich nur einen thematischen Schwerpunkt, und das sind die Menschen, die ich dazu überreden kann, vor meinem Mikrofon aufzutreten.

Mehrheitlich spreche ich mit Personen, die noch nie zuvor ein Interview gegeben haben. Sie wurden für mich interessant, weil sie vielleicht etwas sehr außergewöhnliches machen, etwas erlebt haben, von dem ich hören will oder am Anfang einer Aufgabe stehen, die sie bewältigen möchten.

Sie haben sich vielleicht in ein Wagnis begeben, in eine Selbständigkeit, die nicht auf festen Füßen steht oder sind so sehr an einer alten Tätigkeit, einem alten Handwerk begeistert, dass ich einfach erfahren möchte, wie sie das machen.

Oder sie engagieren sich über das normale Maß für eine Aktion, die beispielhaft ist, die ich als Chance sehe, die eher einer Randgruppe nützt, die nicht ganz so beliebt und mehrheitsfähig ist, wie man sich das wünscht.

Oder ich habe das Gefühl, ich könnte dazu beitragen, mitwirken, einer Idee einen Kick zu geben. Aber auch denjenigen, die es hören die Angst vor etwas zu nehmen, und ihnen damit Chancen zu schaffen.

Ich spreche sehr gerne mit Helfern und Helferinnen, und dazu gehören die, die es ehrenamtlich machen, genauso wie diejenigen, die anderen coachen. Ich finde es faszinierend, aufregend und herausfordernd, wieviele Wege zum Glück es geben kann, auch wenn es nicht meine sein müssen. Trotzdem bin ich in der Regel der Erste, der davon einen Vorteil geniesst. Einfach dadurch, dass ich davon höre und Fragen stellen darf.

Wie ich vorgehe…

Ich spreche andere Menschen per Email, Facebook Messenger, Instagram oder Twitter an. Selten direkt, außer es ergibt sich auf einem Fest oder im persönlichen Bekanntenkreis so eine Möglichkeit. Oder mir wurde jemand empfohlen (das passiert immer häufiger und ist eine der spannendsten Geschichten, denn es erweitert mein Spektrum ungemein).

Während der ersten Kontaktaufnahme stelle ich nur die Frage, ob ein generelles Interesse an einem Podcast-Interview besteht. Die Chancen, dass ich eine Antwort bekomme, stehen 50:50 und es ist dabei nicht wichtig, wie prominent eine Person ist. Dieses Verhältnis hält sich und zieht sich durch. Der Unterschied zwischen Menschen, die schon oft ein Interview gaben und solchen, die dieses zum ersten Mal machen, offenbart sich eher während und nach dem Interview.

Wenn ein Interesse besteht, dann beantworte ich alle Fragen, gebe Links zu meiner Seite, verweise auf iTunes und Spotify, übersende einen möglichen Fragenkatalog, der den Ablauf des Interviews enthält und eine Einverständniserklärung, die alle Rechte im Sinne der DSGVO erwähnt (auch das Recht auf Löschung, das heißt die Entfernung des Interviews, wenn gewünscht).

Ich sichere in den ersten Gesprächen zu, dass das Interview sofort zur Beurteilung per Mail an den Interviewten bzw. der Interviewten gesandt wird und dann eine Woche oder mehr Zeit bleibt, eine Entscheidung zu fällen, ob es veröffentlicht wird. Ich habe meistens eine Planung für die nächsten vier Wochen, daher bleibt die Möglichkeit das Interview zu wiederholen, abzulehnen und ich bin mir sicher, ich bekomme all das problemlos gelöst.

Oft kommt in diesem Zusammenhang auch die Frage, wer und wieviele NutzerInnen meine Interviews hören. Hier kann ich leider nur sehr ungenau antworten, denn ich weiß so gut wie überhaupt nichts über meine HörerInnen. Die großen Musikplattformen bieten sehr kryptische oder gar keine Statistiken, und meistens werden Podcasts über Tools gehört, die ich nicht mal kenne. Ich finde veröffentlichtes Material auf allen möglichen Plattformen und kann nur aufgrund der Datenbewegungen eine ungefähre Schätzung abgeben, was sich im Internet tut.

Im Monat bewegen sich 30 GB über diese Webseite. Manchmal kommt es zu einem Ausreißer nach oben, die Tendenz ist steigend. Das scheint nicht viel, aber es ist auch schwer abzuschätzen, was das tatsächlich bedeutet. Einige Seiten hosten meine Podcasts, andere laden sie direkt von mir bei jedem einzelnen Aufruf. Geht man von einer Durchschnittsmenge von 20 MB pro Podcast aus, dann darf man 30.000 MB durch 20 teilen und bekommt ein Gefühl für die Hörer.

Gleichzeitig wird auch die Datenmenge stark verzerrt durch die Angriffe, die in schöner Regelmäßigkeit erfolgen, meine Kommentarfelder füllen und die Seiten durchwühlen. Ich habe steigende Spamkommentare aus Ländern, deren Schrift ich oft nichtmal verstehe und stelle fest, dass pro Tag 30-40 Kommentare auf irgendwelche Pornoseiten bei mir verweisen sollen. Diese Kommentare werden nie veröffentlicht, sind aber leider auch ein Zeichen steigender Akzeptanz.

Wer von mir angesprochen wird, darf – soweit als möglich – Ort und Zeit selbst wählen. Ich gehe gerne auf Vorschläge ein, und fahre notfalls auch mit dem Zug durch die halbe Republik, wenn ich sowieso wieder eine Reise machen will. Ich nutze kein Auto, nur öffentliche Verkehrsmittel und mein Fahrrad, daher wird es bei manchen Konstellationen schwierig, aber ich arbeite daran, jedes Interview möglich zu machen.

Der Unterschied zwischen Menschen, die es gewohnt sind Interviews zu geben und solchen, die es zum ersten Mal machen, ist meistens während und nach dem Interview spürbar. Ist es für uns unbekannte Menschen wichtig, das Gesagte nochmal zu hören, verzichten Prominente darauf und empfinden das eher als lästig. Ich versuche beides zu berücksichtigen, aber verfolge eher die Strategie, dass jemand, der oder die etwas veröffentlicht, das Gefühl der vollen Kontrolle hat. Daher warte ich lieber ab, bis ich eine komplette Freigabe habe.

Noch eine Information zu einem Thema, das mich selbst verwundert hat: Ich wurde gefragt, ob bei dem Interview für diejenigen, die ich interviewe, Kosten entstehen. Nein, natürlich nicht. Niemals, in keiner Weise. Ich betrachte das, was ich tue, nicht als Werbung und habe keinerlei kommerzielle Ausrichtung. Tatsächlich erfahre ich sehr viel und sehe mich hier nur als Mittler. Ich nehme andere mit, aber im Grunde geht es mir gut dabei. Und darum geht es.

Im zweiten Teil geht es darum, wie ich aufnehme, in welcher Atmosphäre, wie ich die Örtlichkeiten und die Zeit wähle und wie der konkrete Ablauf des Interviews ist.

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