Acid Jazz – Einige Worte dazu

Anstelle einer Einleitung

Betrachte ich meine Musiksammlung, oder gebe auch nur Auskunft darüber, was mir wirklich gefällt, dann fällt sehr schnell der Begriff „Acid Jazz“.  Die Reaktionen darauf sind verhalten, wissend oder gleichgültig. Auch über 30 Jahre nach Erfindung des Genres taugt diese Bezeichnung  zu einer maximalen Ratlosigkeit. Aber nicht als Erklärung.

Es gibt Musikrichtungen, die – weil sie populärer, angesagter und beliebter waren – Bücher und immer wieder Publikationen füllen. Acid Jazz taugt nicht dazu. Es gibt wenig Musiker, die sich als Acid Jazz-Musiker bekennen würden. Fragt man rum, wer sich zu diesem Thema berufen fühlt, wer mehr weiß, dann herrscht betretenes Schweigen.

Wie bei vielen Genres bleibt der Eindruck zurück, dass es gerade mal als Fach bei Plattenhändler:innen taugt, aber im Grunde unnötig ist, denn das meiste, was sich darin findet, könnte auch unter Funk, Soul, Jazz oder Rhythm’n’Blues stehen. Acid Jazz wird selten als solcher erkannt, oftmals im Nachhinein einer ganz anderen Richtung zugeordnet und langfristig mit vielen neuen Namen bedacht.

Der Begriff tauchte im Jahr 1988 zum ersten Mal im Zusammenhang mit einem gleichnamigen Plattenlabel auf. Ein Jeder sprach in dieser Zeit von dem sogenannten Acid House. Acid war ein geflügeltes Wort, und während für House in der Regel alte Soulplatten als Grundlage genutzt wurden, sprach man gleichzeitig auch von Dancefloor Jazz. Dancefloor Jazz war oftmals nur eine Art Fusion der Housemusic mit Jazz-Elementen, die als kleine Partikel (Saxophon-Solos und Piano Anteile) eingestreut wurden. Populär und in die Nachrichten kam diese Richtung oft nur, weil die Tänze an Swing und Breakdance gleichzeitig erinnerten.

Doch schon einige Zeit davor war im Zusammenhang mit Gruppen wie Carmel, Matt Bianco, Working Week und Sade von einem sogenanntem Popjazz die Rede, der mit der New-Wave hochgespülte wurde. Viele Gruppen des New Wave dagegen (ABC, Style Council, Simply Red, Dexy’s Midnight Runners u.a) sahen sich in der Tradition des weißen Souls bzw. des sogenannten Northern Souls (dazu später mal mehr).

Es war nur folgerichtig, dass Funkelemente, alter Soul, aber auch brasilianische Klänge immer wieder in den Sound zeitgenössischer Interpreten und Bands einflossen. Während Popjazz, Dancefloor Jazz und ähnliche Begriffe in keiner Weise griffig waren, hatte Acid Jazz als Marke einen guten Ansatz gefunden, der Beliebtheit der Jazz Samples einen Namen zu geben.

Wenn ich über Musik schreibe, dann neige ich dazu mit enthusiastischer Begeisterung oder superkritisch vorzugehen. Beides macht Spaß, und führt zu einer wilden Schreibe, aber in den zukünftigen Artikeln über Acid Jazz möchte ich darauf verzichten. Mir geht es in erster Linie um einen Abriss der Geschichte, die zum Acid Jazz führt und was daraus entstand. Es wird eine Materialsammlung, die schmucklos beginnt, ständig erweitert wird, und zwar nicht als Nachschlagwerk dienen will, aber eventuell taugt, um das Thema von vielen Seiten zu beleuchten.

Wenn es mir gelingt, dann möchte ich natürlich gerne auch andere Interessierte, Sammler:innen, Fans, DJs und Musiker:innen zu Wort kommen lassen, die mir helfen können, dass Thema einigermaßen greifbar zu machen.

Da es sich um eine wachsende Materialsammlung handelt, werde ich zu Beginn (um dem Ganzen schlüssig zu begegnen und einen Konsens zu finden) auch vermehrt Wikipedia-Artikel als Grundlagen-Material nutzen. Man möge mir das verzeihen, denn es ist nichts verwerflicher, als ein Referat, ein Bericht oder ein Artikel zu großen Teilen auf Wikipedia aufzubauen. Wikipedia steht jedem zur Verfügung, und wenn man wirklich etwas schaffen will, dann muss man darüber hinausgehen.

Die Artikel werden jedoch nicht statisch sein, ich werde sie ausbessern, Grafiken hinzufügen, entfernen oder erweitern.  Soll heißen, was ich in den nächsten Wochen machen werde, dass ist ein kleines Gerüst bauen, an dem ich mich abarbeiten werden. 

Ich werde versuchen, den Einsteigern ein Art Inhaltsverzeichnis in die Hand zu geben, die es ihnen ermöglicht, die Lektüre rückwärts, seitwärts oder auch vorwärts zu nutzen. Fehler, die euch auffallen (und davon wird es eine Menge geben), dürft ihr mir alle melden. Sie werden dazu führen, dass ich die Artikel verbessere und schärfe. Gerade bei der Empfehlung bestimmter Musiker:innen bin ich auf eure Mithilfe angewiesen. Ich lerne täglich dazu.

Falls euch bestimmte Punkte besonders interessieren, dann teilt mir das bitte mit. Und alles, was ich übersehen und vergessen habe, sowieso.

Sei der Erste, der diesen Beitrag teilt:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.