Hey, Hamburg – letzte Impressionen

Was bleibt mir zu sagen? Erstmal ein großes Dankeschön an alle meine Freunde, die ich in und um Hamburg treffen durfte. Es hat mich gefreut. Ihr seid mir die größte Hilfe gewesen und habt mir Dinge gezeigt, dich sonst verpasst hätte.

Zehn Tage St.Pauli. Täglich übers Kopfsteinpflaster, vorbei an den Läden, die ich dann doch nie betreten habe, mal im Regen, mal im Wind, mal im gleißenden Sonnenschein. Manchmal sah es nur deprimierend aus, ein andermal wirkte es ein bisschen wilder, und spätestens beim dritten Mal nervte es einfach nur, wenn wieder jemand auf einen zukommen wollte, um irgendetwas irgendwie zu verkaufen.

So gar nicht der Fußballfan stand ich dann trotzdem mal vor dem Stadion als St.Pauli spielte, und ich wäre tatsächlich gerne reingegangen, so aufregend erschien es plötzlich, so cool wirkte alles außen rum, und so authentisch und ehrlich schien der Sport auf einmal. Allein um ein Statement zu geben, möchte man sich das T-Shirt kaufen. So sind die Touristen halt.

Wenn man vom Berg runterfährt, zum Strand von Blankenese, und das schöne Wetter knallt einem ins Gesicht, und der Weg wird immer steiler, die Gasse enger, die Autos drängeln von hinten fast, und irgendein Handwerker stellt seinen Transporter quer, dann ist das ein veredeltes Fischerdorf irgendwo am Mittelmeer. Genauso an den Berg gequetscht, genauso eng, genauso weiß. Was für ein beneidenswerter Lebenstil. Ladet mich doch einfach mal ein.

Immer wenn mir alles zu laut wurde, dann waren Stadteile wie Barmbek zum verlieben. Ich dachte oft, ich müsste zwanzig Kilometer rausfahren, um endlich irgendwo anzukommen, wo mich nur noch Feldwege, Deiche und Kühe begrüssen, aber manchmal reichte auch nur etwas wie eine Zinnschmelze, von der ich noch nie gehört hatte. So ein kleiner, kultureller Ort, mit Theater und Cafes, einem großen Platz und alten Bäumen, direkt an einem Fluss, war hin und wieder genau das was ich suchte.

Überhaupt Wasser. Was habt ihr Wasser in Hamburg! Wenn eine Stadt immer ein Fluss braucht, dann habt ihr das satt und fett und ich will das auch. Ich will auch auf der Alster auf dem Surfbrett paddeln, sonntags an der Innenstadt vorbeisegeln und in einem verflixten Hausboot leben. Ich weiß, dass all das wahrscheinlich meine Haushaltskasse schrotten würde, aber neidisch bin ich schon.

Der Friedhof in Ohlsdorf ist natürlich ein Teil an dem ich vorbeigezogen wäre. Niemals hätte ich sowas dahinter vermutet, niemals damit gerechnet, niemals mich zwei Stunden zwischen Gräbern rumgetrieben und darin ausgeruht. Parks sind sowas wie das Tüpfelchen auf dem I. Ich sage immer, die Stadt braucht einen Fluss, aber tatsächlich ist es natürlich mehr als das. Sie braucht vor allem Parks. Planten un Bloomen ist natürlich auch genau das, was man sich gönnen sollte.

Im Eppendorfer Weg war ein Flohmarkt, und auch da gelangte ich nur durch Zufall hin. Erwähnenswert ist das nur, weil, so groß mir die Stadt immer erschien, so nachbarschaftlich und im Detail dörflich konnte sie werden. Und so war dieser Flohmarkt, der hauptsächlich von den Anwohnern veranstaltet wurde, einer von jenen, wie ich sie seltener erlebe, aber gerne betrachte, weil es wieder um die Auflösung der Keller, dem Verkaufen der Kinderbücher und der Präsentation von Schätzen geht. So wie es früher einmal war. Vor den Online-Auktionen.

Es gibt überall kleine Cafes. Und sie haben selbst in St.Georg die schönsten Namen. Und wie bin ich froh,wenn nicht nur ein Barista hinter der Kasse steht, sondern eine freundliche Bedienung an den Tisch kommt. Früher fand ich es wirklich genial, am Tresen seinen Kram zu bestellen, aber heute ist der Tresen ein Ort für die Schlange, der Kaffemacher gestresst, und es ist verdammt schwer die Filliale amerikanischer Röster als ruhigen Ort zu begreifen. Wieviel mehr bin ich immer überrascht, wenn ich mich an der Kasse einfinde und mir erklärt wird, ich könne ruhig am Tisch bestellen. Passierte mir in Hamburg oft. Wenn ich die Namen der Cafes noch finde, dann füge ich sie nachträglich hier ein.

Hamburg, Elbstrand

Was ich nicht vergessen darf, dass sind diese Millionen Obstbäume im Alten Land. Dieses Land, das so fruchtbar scheint, und so versteckte kleine Ortschaften hat. Die Menschen, die mich mitnahmen, um mir all das zu zeigen. Viel zu wenig davon gesehen, weil ich dachte, ich hätte viel mehr Zeit, und im Hintergrund bleibt immer das Gefühl, da wäre noch was gewesen, das wäre noch was gewesen, das sollte ich mir noch ansehen, da muss ich nochmal hin. Danke für die Äpfel. Wenn der Wind von hinten kommt, dann fliegt man übers Land. Einfach so. Schon verrückt.

Zuletzt, weil man es nicht genug erwähnen kann. Es wird wenig gehupt, kaum die Fahrradklingel betätigt, auf Festivals in aller Ruhe gekifft, nachts auf dem Bordstein das Bier getrunken, morgens in aller Frühe, wenn ich gerade meinen ersten Kaffee trinke, wird schon der Fischmarkt weggeräumt und den ganzen Tag „Moin!“ gesagt. Ich finde es gut. Ich komme wieder, versprochen!

(ein kleiner Vergleich der Radwegesituation zwischen Heidelberg und Hamburg findet ihr auf: Stadtfahren)

3 Replies to “Hey, Hamburg – letzte Impressionen”

  1. In der Tat gibt es noch viel mehr in und um Hamburg zu sehen und zu erleben.
    Allein das Alte Land, von dem du nur einen kleinen Teil, meist aus dem Auto gesehen hast, bietet eine ganze Menge. Und weiter nach Stade ist es auch recht nett. Und die andere Seite, im Osten die Vier und Marschlande. Weiter nach Lauenburg, Lüneburg ist auch sehr schön. Duvenenstedt im Norden Hamburgs. Und ja; der Norden allgemein hat viele schöne Seiten. Da kann man Jahrelang erforschen 🙂
    Schön, dass es dir hier oben gefallen hat. Bei uns bist du immer herzlich wilkommen 🙂

  2. Und überhaupt hast du in der Stadt vermutlich mehr Ecken endeckt als ich, der sich meistens nur zum Arbeiten dort aufgehalten hat.
    Ich stelle gerade einmal wieder fest, dass ich von Hamburg eigentlich viel zu wenig weiß. Und das, obwohl ich schon seit 63 Jahren hier lebe.
    Mich zieht es ja eher in Gegenden, die etwas ruhiger sind 🙂

    1. Hallo Berni, ich muss natürlich zugeben, dass meine Tour durch Hamburg sehr komprimiert und auch sehr einseitig war. Vieles von den Dingen, die mir andere Menschen empfohlen hatten, habe ich nicht gemacht oder übersehen. Ich war weder in der Elbphilharmonie, noch im Miniatur-Wunderland. Ich wollte viel mehr ins alte Land und mich dort noch umschauen, und tat es bedauerlicherweise doch nicht, denn eine Woche ist schlicht zu wenige. Ich muss also nochmal nach Hamburg. Vor allem weil du mir Gegenden gezeigt hast, die ich nochmal anschauen muss.

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